Eingetragen von Bernd Stromenger am 03.12.2021

Betreiber müssen Schulungen nachweisen / Ordnungsamt ist für Genehmigungen zuständig.
Redaktionsmitglied Heike Schaub BNN

Bruchsal. Im November ist das Infektionsschutzgesetz verschärft worden. Fast jeder benötigt wieder häufig tagesaktuelle Schnelltests, auch Geimpfte und Genesene.
Etwa bei Theater- oder Konzertaufführungen, auf Weihnachtsmärkten oder in Diskos. Ungeimpfte müssen außerdem am Arbeitsplatz regelmäßig ein negatives Ergebnis vorweisen. Die Zahl der Teststationen schnellt deshalb wieder in die Höhe – und ruft die Stadt Bruchsal auf den Plan.

„Unsere Liste ist am nächsten Tag schon nicht mehr aktuell“, sagt Oliver Bienek, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes. Welche Teststation genehmigt wurde, darüber informiert regelmäßig das Gesundheitsamt. Zum 12. November, als das Infektionsschutzgesetz überarbeitet wurde, gab es 420 Neuregistrierungen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Aktuell sind dort 711 Teststellen in Betrieb oder im Anmeldeverfahren, so Landkreis-Sprecher Martin Zawichowski.

Wie viele genau es in Bruchsal gibt, ist nicht so klar. Im Frühjahr waren es mal über 50 Stellen für Schnelltests. Dann kam der Sommer und die Nachfrage ging zurück – Stationen wurden geschlossen. 22 alte, neue oder reaktivierte Teststellen wurden vom Ordnungsamt aktuell bereits überprüft. Dienstagabend kam eine Liste mit weiteren 23 genehmigten Teststellen. Die geringen Außentemperaturen machten den Betreibern zuletzt das Leben schwer: Die Tests sind sensibel und müssen bei Temperaturen zwischen vier und 30 Grad gelagert werden. Eine Stunde vor dem Abstrich müssen sie außerdem auf Raumtemperatur gebracht werden. Mancher Betreiber schloss deshalb kurzzeitig, um sein Zelt gegen ein Holzhäuschen oder einen Container zu tauschen.

Auch der Brandschutz ist Thema, so Bienek. Ebenso wie Hygienestandards beim Einsatz von Desinfektionsmitteln oder Schutzkleidung für die Mitarbeiter. Hier ist das Ordnungsamt gefragt, denn das Gesundheitsamt ist vorrangig mit der Genehmigung der Teststellen beschäftigt. Geplant ist außerdem, auf die städtische Homepage eine Liste mit den vorhandenen Teststationen zu stellen.

Bis zu 400 Schnelltests täglich werden etwa im Corona-Testzentrum im früheren Baumarkt Profi-Foos gemacht, das seit März geöffnet ist. Stoßzeiten sind kurz nach der Öffnung um 8 Uhr morgens und nachmittags zwischen 17 und 19 Uhr, sagt Teamleiter Valentin Duchardt. Wegen Personalmangels habe man noch keine durchgehenden Öffnungszeiten, das sei aber geplant. Seit der 2G-Plus-Regelung kämen neben Geimpften auch zunehmend Menschen, die erkältet und verunsichert seien, so Duchardt.

Veronika Helbig, die seit Mai das Schnelltestzentrum Nordbaden bei der Herzl-Tankstelle Heidelsheim betreibt, bietet täglich zwischen 10 und 19 Uhr Schnelltests im Drive-In an. Verkehrsgünstig an der B35 gelegen, wird sie von vielen Pendlern angefahren. Bei den durchschnittlich 500 bis 600 Schnelltest seien natürlich einige positive dabei.

Bei der Antragstellung müssen die Betreiber Schulungen nach dem Medizinprodukterecht nachweisen. Bei der Qualität der Schulungen sieht der Mediziner Dieter Hassler durchaus Verbesserungsbedarf. Hassler hat im März 2020 die erste Corona-Abstrichstelle bei der Fürst-Stirum-Klinik aufgebaut und später die Teststelle bei der Haltestelle Am Mantel geleitet. Der Kraichtaler Infektiologe ist sozusagen Pionier in Sachen Abstriche. Nach groben Schätzungen hat er selber 20.000 Abstriche vorgenommen. „Mit der Qualität der Probenentnahme steht und fällt das Ergebnis“, sagt er im BNN-Gespräch.

Nach seiner Erfahrung ist der Rachenabstrich zuverlässiger, obwohl die Tests jeweils für die Nase oder die Rachenhinterwand angeboten werden. Medizinisch lässt sich das leicht erklären. Die Flüssigkeiten aus der Nase laufen auch durch den Rachen. Auch die Handhabung des Teststäbchens sei ohne genaue anatomischen Kenntnissen nicht ganz ohne.

Dass die Qualität der Tests durchaus unterschiedlich sein kann, hat beispielsweise Michael H. aus Helmsheim festgestellt. „Es hat nur ein bisschen in der Nasenmuschel gekitzelt“, erzählt er nach dem Besuch einer Schnellteststation. Sein Selbstversuch mit einem Wattestäbchen daheim, das er tiefer einführte, habe sich deutlich anders angefühlt. War der Test nun richtig? Die Unsicherheit bei dem Getesteten ist groß. Bereits im Juni hatte es auch Beschwerden gegeben, weil das Testergebnis schon nach zwei Minuten vorlag. Üblich sind 15 Minuten, bis mithilfe des QR-Codes das Ergebnis abgerufen werden kann.

Nach Angaben aus dem Landratsamt Karlsruhe geht das Gesundheitsamt im Verdachtsfall konkreten Beschwerden nach. Zusätzlich gebe es stichprobenartige Kontrollen, so Sprecher Zawichowski. Überprüft werde die Einhaltung der Abstände, das Hygienemanagement, die Ausstattung, die Zertifikate für Schulungen und die Handhabung der Tests. „Bei Kontrollen fielen immer wieder
Hygienemängel auf“, so der Landkreis-Sprecher.

Quelle: BNN-Artikel vom 03.12.2021